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Deutsche Schule Toulouse, Kindergarten Schuhe Coronamaßnahmen
3 Jul 2020

„Das ist wegen Corona“

Wie sollen wir es schaffen Kinder zu betreuen, die nicht miteinander spielen und sich nicht näher als ein Meter kommen dürfen? Ist das nicht weltfremd und höchst fragwürdig? Ob das klappt, ohne den Kindern zu schaden? Wir waren unsicher.

Voller Fragen im Kopf standen wir also am 13. Mai kurz vor acht Uhr aufgeregt im Flur des Kindergartens, alle mit Masken, manche mit Visier und Handschuhen und mit einem letzten Blick in unsere neu eingerichteten Gruppenräume. Ausgerichtet träfe es eigentlich besser, denn die Teppiche und alle nicht waschbaren Spielzeuge waren verschwunden. Die Stimmung war von Anspannung, aber auch von Vorfreude auf allen Seiten geprägt.

Deutsche Schule Toulouse, Kindergarten Raum Coronamaßnahmen

Vieles, was früher ohne Nachdenken ging, hat nun ein Protokoll. Es ist geregelt, wer auf welches Klo geht und wo die Schuhe ausgezogen werden. Das Kindergartenteam hatte geplant und vorbereitet. Pfeile auf dem Boden, Namen an den Toiletten, Abstand zwischen personalisierten Stühlen. Aber Kinder bleiben Kinder und keine Maschinen. Würde das klappen? Und würden die Kinder sich wohlfühlen?

Glücklicherweise ja.
Eine Mutter fasst den ersten Kindergartentag wie folgt zusammen: „Heute Morgen hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, alle mit Masken zu sehen, die Kinder so separat rein geführt, […]aber gleichzeitig war es auch so toll organisiert, […]. Heute Mittag habe ich dann gefragt, wie es denn war. Sie sprudelte sofort los von einem gebastelten Regenbogen, von den vielen Farben, sie war gar nicht zu stoppen. Meine Frage, ob es schwierig war mit dem Abstand halten hat sie gar nicht richtig verstanden. Es war wie es war, sie fühlte sich gut aufgehoben und fertig.“
Wir waren erleichtert.


Inzwischen hat sich das meiste eingespielt. Es ist ruhiger und durchdachter als früher. Manchmal ist das schade und manchmal eine Chance.
Die Kinder haben die neue Situation mit Bravour, Neugier und gelegentlichen Langeweile-Attacken gemeistert. Sie wissen inzwischen, dass Abstand „wegen Corona“ sein muss. Sie fliegen mit ausgebreiteten Armen durch den Gruppenraum. Sie waschen sich selbständig die Hände auf eine Art, wie man es von Medizinstudenten im Abschlussjahr erwarten würde, und singen dazu. Sie haben Wege gefunden, sich mit viel Kreativität allein zu beschäftigen oder unter Einhaltung der Distanz mit anderen Kindern zu kommunizieren und zu spielen. Kurz: Sie sind meistens supertoll.

Deutsche Schule Toulouse, Kindergarten Hof Coronamaßnahmen


Und das Kindergartenpersonal?
Genau wie die Kinder vermissen wir manchmal den alten wilden Kindergarten und wir wünschen uns die Sorglosigkeit zurück. Das gemeinsame Spielen und Toben der Kinder. Die Umarmungen und die Höhle im Wald, die alle zusammenbauen. Und ja, manchmal wachen wir nachts auf und murmeln „Du bist zu nah“ und unsere Küche versinkt im Chaos, weil wir im Kindergarten so viel putzen müssen, dass wir nachmittags keine Lust mehr haben – oder weil einige von uns dann den Kindern zu Hause Geschichten vorlesen. Aber insgesamt sind wir entspannter und froh darüber, wie gut alles klappt.


„Ma fille est tous les jours contente et motivée pour aller à l’école et c’est tellement agréable pour nous parents.C’est vous et tous les autres membres du personnel de l’école qui malgré les conditions compliquées faites preuve d’un professionnalisme exceptionnel; un grand merci pour ça…“


Besonders schmerzlich aber werden die Kinder vermisst, die noch zu Hause sind. Es vergeht kein Tag, an dem sie uns und den anderen Kindern nicht fehlen. Und da wir hoffen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht, haben wir nun angefangen, die Kommunikation zwischen den Kindern im Kindergarten und den Kindern zuhause anzukurbeln.
Ob das klappt? — Na klar!

Mieke Hildebrand