Eine Woche Norden: Schüleraustausch mit Stockholm und Helsinki
Eine Woche, drei Schulen, eine vertraute Erfahrung: zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen. Beim Schüleraustausch zwischen der DST und den Deutschen Schulen in Stockholm und Helsinki haben vier Schülerinnen und Schüler erlebt, wie unterschiedlich deutsche Auslandsschulen sein können – und wie sehr sie dieses gemeinsame Lebensgefühl verbindet.
Gegen Ende der Austauschwoche haben wir mit den vier Jugendlichen gesprochen: mit Elin aus Stockholm und Margherita aus Helsinki, die eine Woche lang zu Gast an der DST waren, und mit Lotti und David, die zuvor die Partnerschulen im Norden besucht hatten.
Vertraut auf den ersten Blick
Wer an einer deutschen Auslandsschule lernt, findet sich auch an einer anderen schnell zurecht. In Stockholm und Helsinki wird, wie an der DST, der Großteil der Fächer auf Deutsch unterrichtet; die Landessprache kommt in einigen Fächern hinzu. Und wie an der DST wachsen viele Schülerinnen und Schüler zwischen zwei Sprachen und Kulturen auf. Elin etwa ist in Schweden geboren und spricht Deutsch und Schwedisch als Muttersprachen. Auch die Wege nach dem Abitur ähneln sich: Manche zieht es zum Studium nach Deutschland oder die Welt, andere bleiben im Land oder nehmen sich erst einmal ein Gap Year.
Was den Gastschülerinnen besonders gefällt, ist eine Eigenheit der DST: hier ist die Sekundarstufe im Lycée International Victor Hugo zu Hause. Die deutschen Schülerinnen und Schüler haben dort zwar einen eigenen Gebäudeteil, treffen sich aber in der Kantine und an anderen gemeinsamen Orten mit den Jugendlichen des Lycée. So knüpfen sie ganz selbstverständlich Kontakte über den deutschen Kreis hinaus und der Schulalltag bietet viele Gelegenheiten für Begegnungen. Die Gäste aus dem Norden beeindruckte vor allem die Dimension: „Viel mehr Raum, viel mehr Größe, aber auch viel mehr Schüler, denen du im Gang begegnest“, sagt Elin.
Gerade die gemeinsame Sprache macht den Austausch zwischen deutschen Auslandsschulen so wertvoll. „Man ist im Ausland und lernt eine andere Kultur kennen, aber man hat nicht diese große Sprachbarriere“, fasst Margherita zusammen. So konnten alle vom ersten Tag an im Unterricht mitreden.
Und doch ganz anders
Im Detail zeigten sich schnell Unterschiede, und zwar schon auf dem Schulweg. Stockholm und Helsinki sind Hauptstädte, die Schülerinnen und Schüler wohnen über die ganze Stadt verteilt. „Statt zehn Minuten ist man da eher fast eine Stunde unterwegs“, berichtet Lotti.
Auch der Stundenplan sieht im Norden anders aus. In Stockholm werden drei Fächer auf Schwedisch unterrichtet: Schwedisch, schwedische Geschichte und Gesellschaftskunde, auf Schwedisch samhällskunskap. „Das ist ein Unterschied zur DST: Wir haben zweimal Geschichte, einmal die deutsche und einmal die schwedische“, erklärt Elin. In Helsinki kann Finnisch freiwillig belegt werden, zählt aber nicht für das deutsche Abitur, wie Margherita erzählt.
Einen Trumpf hat die DST mit dem AbiBac: Hier lassen sich zwei Abschlüsse auf einmal erwerben. Dafür ist die Oberstufe im Norden komplett in Kurse aufgeteilt, während an der DST meist die ganze Klasse gemeinsam im Unterricht sitzt.
Und dann ist da natürlich noch das Wetter, der Unterschied, auf den sich alle sofort einigen konnten. Während hier Ende September noch Sommer herrscht, wird es in Stockholm um diese Zeit bereits richtig kalt.
Was den Austausch wertvoll macht
Warum macht man überhaupt mit? Für David war die Antwort einfach: „Ich bin seit der ersten Klasse hier und kenne keine andere Schule.“ Einmal zu sehen, wie eine andere deutsche Schule funktioniert, und dabei ein skandinavisches Land kennenzulernen, war Grund genug. Andere wollten vor allem neue Erfahrungen sammeln.
Weil alle Deutsch sprechen, sitzen die Gäste nicht nur als Zuhörer in der Klasse, sondern machen im Unterricht ganz selbstverständlich mit. An der DST kommt durch das gemeinsame Gebäude mit dem Lycée noch eine weitere Ebene hinzu. „Wir sind hier ja nicht nur in unsere Klasse, sondern auch in die französische Schule eingebunden“, erzählt Lotti. So nehmen die Gäste neben dem Unterricht an einer deutschen Schule auch ein gutes Stück französischen Schulalltag mit nach Hause.
Fazit: lehrreich, schön und zur Nachahmung empfohlen
Am Ende der Woche fällt das Urteil der vier eindeutig aus. „Es war sehr lehrreich und sehr schön hier“, sagt Elin. Besonders spannend fand sie, neue Menschen zu treffen und die kulturellen und sozialen Unterschiede zu entdecken: zwischen dem deutsch-schwedischen Schulalltag, den sie kennt, und dem deutsch-französischen an der DST. „Ich finde es wirklich schön hier und würde den Austausch auf jeden Fall weiterempfehlen.“
Auch Margherita zieht ein klares Fazit und vergleicht mit einem Augenzwinkern: „Toulouse war besser als Helsinki.“ Wer schon lange in einer Stadt lebt, sieht sie eben mit anderen Augen. Für Lotti und David war es vor allem spannend zu erleben mit wie vielen neuen Ideen man von dem Aufenthalt zurückkommt.
Der Austausch zeigt, was das weltweite Netz der deutschen Auslandsschulen stark macht: Man spricht dieselbe Sprache, teilt ähnliche Erfahrungen zwischen unterschiedlichen Kulturen und kann doch jede Menge voneinander lernen. Schon eine Woche genügt, um mit neuen Kontakten und einem frischen Blick auf die eigene Schule zurückzukehren.
Wir bedanken uns herzlich bei der Deutschen Schule Stockholm und der Deutschen Schule Helsinki, bei allen Gastfamilien und Lehrkräften, die diesen Austausch möglich gemacht haben, und natürlich bei unseren vier Austauschschülerinnen und -schülern.
