Geschichten, die verbinden: Rachel Corenblit zu Gast an der DST
Kurz vor dem Welttag des Buches war die Autorin Rachel Corenblit an der Deutschen Schule Toulouse zu Gast. In mehreren Begegnungen sprach sie mit Schülerinnen und Schülern über ihre Bücher – und darüber, wie Schreiben tatsächlich funktioniert.
Rachel Corenblit schreibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und arbeitet zugleich als Lehrerin. Sie lebt in Colomiers, was die Begegnung für viele besonders greifbar machte: Keine „ferne“ Autorin, sondern jemand, der den Schulalltag kennt und weiß, wovon er spricht.
Die Schülerinnen und Schüler kamen nicht unvorbereitet. Im Unterricht hatten sie sich mit den jeweiligen Büchern beschäftigt, Fragen gesammelt und Figuren sowie Themen diskutiert. Diese Vorbereitung – organisiert von den Französischlehrkräften – sorgte dafür, dass schnell echte Gespräche entstanden und nicht nur zugehört wurde.
Im Austausch zeigte sich, wie unterschiedlich Lesen und Schreiben wahrgenommen werden. Während die Jüngeren mit sichtbarer Freude erfinden, ausprobieren und einfach losschreiben, interessieren sich die Älteren stärker dafür, wie Texte aufgebaut sind: Was macht eine Geschichte spannend? Warum springt sie in der Zeit? Und warum beginnt eine Geschichte manchmal nicht am Anfang?
Anhand ihrer Bücher sprach Rachel Corenblit über Figuren, die wachsen, über historische Ereignisse, die sich in Familiengeschichten einschreiben, und über Entscheidungen, die Autorinnen und Autoren beim Schreiben treffen. Besonders eindrücklich war ihr offener Blick auf den Schreibprozess selbst.
„Wenn ich anfange zu schreiben, weiß ich noch nie das Ende“, erklärte sie – und beschrieb Schreiben als einen Weg, der sich erst im Gehen formt.
Eine Hoffnung mancher Schülerinnen und Schüler erfüllte sie dabei bewusst nicht: Schreiben sei kein reines Bauchgefühl. Texte entstehen nicht in einem Durchgang. Sie werden überarbeitet, hinterfragt und neu gedacht. Kritik gehöre untrennbar dazu. Oder, wie sie es selbst formulierte:
„Être jugé pour son livre fait partie des règles du jeu. – Dass man für seine Bücher kritisiert wird, gehört einfach dazu.“



Was blieb, war mehr als die Erinnerung an eine Lesung. Es war die Erfahrung, dass Geschichten verbinden können – Generationen, Sprachen und Perspektiven. Und dass Lesen und Schreiben keine fertigen Produkte sind, sondern Prozesse, an denen man wachsen kann.
Ein herzlicher Dank gilt Rachel Corenblit für ihre Offenheit und den inspirierenden Austausch sowie den Französischlehrkräften, die die Begegnungen mit ihren Klassen vorbereitet und begleitet haben.
